new zealand electronic poetry centre

k a   m a t e   k a   o r a  

a new zealand journal of poetry and poetics
issue 6,  september 2008

 

 
Kākā Point

 

Regen tröpfelt – immer wieder auf die Scheibe
des Ostfensters meiner kleinen Krippe. Senkrecht herrscht
draußen ein Strommast aus Holz, drahtbeschwert,
drahtverteilend und versorgt fünf
Nachbarhäuser und das meine

Ich werde einen kleinen Gaskocher kaufen und
eine rundlich hellgrüne L.P.G. Flasche – falls
der Strom ausfällt und das Futter im
Kühlschrank in erneuter Dekadenzzeit verkommt.

Der Blick aus meinem Fenster rechteckig, frisch,
verhalten übernimmt nicht wie Ti-Vi das 
Denken für dich. Der Strommast ist geschmückt mit
einem Chor singender Drähte – eine Kiwilandschaft
klassischer Art. Zweitklassige Künstler
sparen sie gänzlich aus in ihren Gemälden.

Weit draußen, jenseits, erahn ich eine Welt voll
Regung und Geschmeidigkeit. Auf gleicher Breite stößt Chile an
grad hinter dem Horizont.
Und weil die Meere vielsprachig sind, teil ich
ihren gemeinsamen Herzschlag mit allen Dichtern aller
Länder, verbunden im Meeresapplaus – und
gemeinsam guten Geschmack für Fisch (und Chips, ja.)

Mit ihnen teil ich die gebrochenen Linien
weißer Wellenkämme; die gekrümmten, grünadrigen
Wellenhöhlen dichtgeknüpft wie Kupferstränge
unterschwellig gespannt – und aufgelöst; ihre
Höhe vermindert zu weißen, zehkitzelnden Ballungen
im Sand – zurückpaddelnd

Bald – sehr bald wird die Zeit für Schwärme kleiner Fische
reifen und pünktlich treffen dann Schwarze Stirntaucher ein 
Zehntausende gemeinsam und füllen
die Luft mit gierigem Freudengeschrei.
Die weitausholenden Achselhöhlen Tangaroas verdunkelt
unaufhörlich Schnäbel- und Gefiederschwingung –
eine Feinschmeckerflut mit tadellosen
Tischmanieren. Mein Hunger und mein Verlangen wachsen. Ich
nehme den Hörer auf bestelle einen bescheidenen Eimer
von 45 eingemachten Ti-ti. Ich vermeide es, nach
dem Preis zu fragen.

Komm Schwarzer Stirntaucher, Vorbote guter medizinischer Nahrung.
Iß gut – und paar dich gut – damit deine wollig kugelrunden
Nachkommen zu Tausenden für uns gedeihen:
und Amen für all dies.

 

Keine gewöhnliche Sonne


Baum laß deine Arme hängen:
reiß sie nicht flehend heftig hoch
zur hell bekränzten Wolke.
Nimm deinen Armen Härte und
Festigkeit denn keine Axt
ist zu entschärfen noch Feuer zu ersticken.

Dein Saft wird dem Zug des Mondes
nicht mehr entgegensteigen.
Nicht länger dein ehrerbietig Haupt
den Worten des Windes sich neigen,
oder bewegen gekitzelt vom rinnenden Regen.

Deine alte Zerzaustheit wird nicht mehr
bekränzt vom wunderbaren Flug
der Vögel, noch die Leidenschaft achtlos Liebender schützen oder kühlen
vor der ungeheuren Sonne.

Baum laß deine nackten Arme hängen
richt kein vergeblich Flehen
an den gleißenden Ball.
Dies ist kein prächtiger Monsunblitz
kein stürmischer Passatwindstoß.
Das verblassende Grün deiner magischen
Ausstrahlung wird den verschmutzten Himmel nicht mehr reinigen ... denn dies
ist keine gewöhnliche Sonne.

O Baum
in den schattenlosen Bergen
und weißen Ebenen und
auf dem tristen Meeresboden
liegt dein Schicksal besiegelt.

 

Translated by Dieter Riemenschneider

 

 


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Last updated 24 November, 2008